Studie zu schulischer Inklusion

Im Jahr 2009 ratifizierte Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention. Aber auch 10 Jahre nach Inkrafttreten der Konvention ist noch viel Arbeit nötig, um ein inklusives Bildungssystem zu verwirklichen. Nach wie vor wird das Thema kontrovers diskutiert. Wie ist die Einstellung zu schulischer Inklusion heute? Antworten auf diese und weitere Fragen liefert die repräsentative Studie des infas Instituts für angewandte Sozialwissenschaft im Auftrag von DIE ZEIT und Aktion Mensch:

Inklusion in Schule und Freizeit

Fast die gesamte Bevölkerung (94 Prozent) ist der Meinung, dass Kinder mit und ohne Behinderung in ihrer Freizeit die Möglichkeit haben sollten, gemeinsam aufzuwachsen. Gemeinsamen Unterricht in der Schule befürworten dagegen nur 66 Prozent der Gesamtbevölkerung. Mit Blick auf die Gruppe der Eltern mit Inklusionserfahrung fällt auf, dass die Zustimmung mit 78 Prozent deutlich höher ist als bei Eltern ohne Inklusionserfahrung (61 Prozent).

Welche Auswirkungen hat schulische Inklusion?

Mehr als drei Viertel der deutschen Bevölkerung sind von positiven Effekten schulischer Inklusion überzeugt: Die Befragten geben an, ein inklusives Schulsystem führe zu mehr Toleranz, einem besseren Miteinander sowie zu höherer Engagement-Bereitschaft und wirke sich positiv auf die Persönlichkeitsentwicklung aus. Zurückhaltender wird der inklusive Unterricht jedoch dann beurteilt, wenn es um Fragen der Leistungsförderung der Kinder geht: Lediglich 60 Prozent der Gesamtbevölkerung sind der Meinung, dass ein inklusives Schulsystem gut auf das Berufsleben vorbereitet.
Zudem besteht die Einschätzung, dass Kinder mit unterschiedlichen Leistungsniveaus nicht gleichermaßen gefördert werden können: Rund die Hälfte (52 Prozent) der Befragten glaubt, das besonders leistungsstarke Kinder im fachlichen Lernen gebremst werden. Bemerkenswert ist, dass Eltern, die eigene Erfahrungen mit Inklusionsschulen gemacht haben, die Leistungsförderung in einem inklusiven Schulsystem differenzierter sehen als Eltern ohne Inklusionserfahrung.
55 Prozent der Eltern mit Inklusionserfahrung
meinen, dass ein inklusives Schulsystem besonders leistungsstarke Kinder im fachlichen Lernen bremse. Dieser Meinung sind nur 47 Prozent der Eltern ohne Inklusionserfahrung. Lediglich 48 Prozent der Eltern mit Inklusionserfahrung erwarten eine Verbesserung der Bildungschancen für weniger leistungsstarke Kinder. In der Gruppe der Eltern ohne Inklusionserfahrung liegt dieser Anteil bei 64 Prozent.

Umsetzung schulischer Inklusion

Während die Bevölkerung die Auswirkungen von inklusivem Unterricht auf das soziale Miteinander positiv einschätzt, ist sie mit Blick auf die Umsetzung schulischer Inklusion skeptischer. 40 Prozent aller Befragten bezweifeln, dass Lehrer die Herausforderungen des Unterrichts an Inklusionsschulen bewältigen können. 57 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass Lehrer nicht ausreichend für die Herausforderungen schulischer Inklusion ausgebildet sind und 63 Prozent der Befragten meinen, dass die Klassen für inklusiven Unterricht zu groß sind. Ein weiteres Problem wird in fehlendem Personal gesehen. 55 Prozent aller Befragten sind der Ansicht, dass es an Inklusionsschulen nicht ausreichend Sozial- und Sonderpädagogen sowie Schulpsychologen für die Gestaltung des Unterrichts gibt. 68 Prozent der Befragten glauben sogar, dass es an den Schulen nicht genügend Lehrer für die Gestaltung inklusiven Unterrichts gibt.

(Kurz- und Langfassung der Studie können bei Aktion-Mensch.de heruntergeladen werden)

 

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